06.2020 Die informationstechnische Überforderung im Notariat: Emails

28. Juni 2020 Aus Von Ralph

Kurzer Sachverhalt:
Der betreffende Notar ist niedergelassen in Rheinland-Pfalz, wo die Lizenz zum Gelddrucken, also ich meine die Notarstellen noch vom Land zugewiesen werden.
Eine Mail ging an ihn hinaus und traf niemals ein. Eine Fehlermeldung des Absender-Providers zeigte, der Mailserver verweigert schlicht den Empfang.

550 5.7.1 Message rejected as spam by Content Filtering.

Na dann, okay – es wird wieder Zeit, die IT-Trickkiste auszupacken. Fangen wir mit der Webadresse an:

Die Domain ist auf www.rockenstein.de registriert (Server-Provider), die wiederum eine Zuordnung zur *zensiert, weil ich kein Bashing betreibe* registriert haben.

Annahme: Der Notar nutzt für seinen Internetauftritt ein mittelständiges Unternehmen, das auch eine passende Software für Notare vertreibt.

Der MX-Record, also die Serveradresse, an die Emails verschickt werden, lautet: mx-01-eu-central-1.prod.hydra.sophos.com. Ein kurzer Blick auf die Domain lässt vermuten, der Empfänger (das Notariat) nimmt dieses oder ein ähnliches Angebot wahr.

Annahme: Versetzt man sich in die Situation eines Volljuristen hinein, der sich nicht der Komplexität der IT-technischen Vernetzung beschäftigen will, wird es wohl einen Intermediär zum Mailprovider geben.

Eine Anfrage an das einzig bekannte Unternehmen, das die Internetpräsenz für den Notar registriert, ergibt Ratlosigkeit mangels Zuständigkeit:

Wir haben den Fall geprüft und die E-Mail wurde von unserer Seite versucht an den Mailserver im Notariat zuzustellen, dieser hat die E-Mail aber mit folgendem Fehler abgelehnt:
550 5.7.1 Message rejected as spam by Content Filtering.
Von unserer Seite wurde die E-Mail nicht als Spam eingestuft und rejected. Bitte wenden Sie sich an das Notariat.

Antwort des IT-Supports

Ha ha, habe dann direkt mal eine Mail geschrieben und rübergefaxt, weil elektronischer Rechtsverkehr großgeschrieben wird.

Zwischenfrage: Erfüllt ein Notar als Träger eines öffentlichen Amts seine Pflichten, wenn er sich diesem Problem verschließt und darauf beruft, ihn habe keine Mail erreicht?
A minore ad maius (hust), muss ein Notar ebenso seinen SPAM-Ordner wie ein RA prüfen (LG Bonn, Urteil vom 10.1.2014 – 15 O 189/13).

Die Bauernschläue, den Spamfilter auf “reject” abzustellen – also den Briefkosten automatisch zu verschließen, wenn der Postbote herantritt – steht dem meiner Ansicht nach um nichts nach. Da er sich bislang uneinsichtig zeigte, hoffe ich, er wird sich irgendwann mal in einem Rechtsstreit über die Praktik erklären müssen.