Shadow Cloud – Erfahrungsbericht

Shadow Cloud – Erfahrungsbericht

6. Januar 2019 Aus Von Ralph

So kurz vor Weihnachten, gerade als es einen Monat für 15 Euro zum “Probieren” gab, entschieden wir uns für einen Test. Auf meinem MacBook läuft zwar Videobearbeitung aber kein Spiel, der Windows-PC hat nicht genug Power, um gegen die Staublagen anzukommen. Warum also nicht einen “Cloud-Computer” mieten?

Am 18.12. bestellten wir das System, direkt eine Mail zur Bestätigung. 5 Tage später, am 23.12. kam eine weitere Info-Mail – 2-4 Wochen Dauer, großer Andrang… Mist.

Halb so wild, die Einrichtung kommt ja nur ein einziges Mal! Am 05.01. war es dann so weit (also 18 Tage, plus minus einige Feiertage) ist noch innerhalb der anfangs geschätzten Dauer von 2-4 Wochen. Die Einrichtung ist einfach – auf unseren Windows-PCs wirkt es wie ein vollständiger Ersatz.

Shadow-Desktop, Windows 10 Home

Auf einige Punkte möchte ich im Folgenden eingehen, angefangen mit

Privatssphäre – Was darf ich eigentlich?
Der “Shadow” funktioniert wie ein normaler PC, den man eben so zuhause stehen hat. Der Anbieter wirbt damit, keine “illegale Nutzung” zu dulden und dagegen vorzugehen. Wirkt angsteinflößend – sollte es nicht.
Jeder Shadow fungiert wie ein VServer/Cloud-Speicher. Der Zugriff gehört nur euch. Das heißt keine MD5 Suche nach “illegalen” Cracks, Mp3 etc. Unkompliziert lassen sich daher auch AAA-Games hochladen und spielen!
Die Grenzen liegen – wie zuhause – bei der öffentlichen Sichtbarkeit. Auf Downloads von Torrents ist schlichtweg zu verzichten (30% der Peers sind ohnehin “Polizisten”). Ebenso fallen exzessive Downloads/Uploads auf – aber exzessiv wird erst im +10 TB Bereich liegen. Die Standard-250 GB lassen sich Ruck-Zuck füllen und nutzen.
Auf Reddit habe ich nachgelesen: Shadow übt gewisse Toleranz, leitet alle Rechtsbeschwerden an den jeweiligen Nutzer weiter und lässt euren persönlichen Shadow sonst unangetastet.

We have neither the legal obligation nor any way to check what is on your machine. We just monitor how much is downloaded to spot abuse.

_Malz (Shadow Staff) @ Reddit

Wer also ohnehin ein Augenmerk auf Privatsshäre legt, nutzt einen VPN aus Panama, der mit den Behörden ohnehin nicht kooperiert (hust, NordVPN). Unproblematisch.

Netzwerkanbindung – Voraussetzung für logfreies Gameplay
Bevor der eigentliche Spaß losgeht, haben wir unsere Netzwerke etwas “saniert”: Ein neues Flachbandkabel zum WLAN 5 Ghz Access Point oder in meinem Falle in Unifi Mesh System. Im WLAN kommen dort tatsächlich 200 Mbit an, das reicht. Beim Kollegen sind es zwar “nur” 15 MBit – aber die reichen auch!

Wir spielen auf “älteren” Windows-PCs und MacBook Pro 2013 / 2018. Die Leistung der Computer ist weitgehend unerheblich, die Software verbraucht kaum Energie – lediglich Traffic. Und davon reichlich!

5 Mbyte/s Download / insgesamt 25 Watt Verbrauch des MBP mit USB-Maus

Trafficverbrauch:
8 MByte/s (100 MBit/s) – Windows PC mit x264 auf 1920x1080p bei Playerunknown Battlegrounds (PUBG)
5 MByte/s (62 MBit/s)– MacOS mit x265 auf 1920x1200p bei Assassin’s Creed Odyssee
= für einen sauberen Stream sollte eine 100 MBit Verbindung bestehen, von der 64 MBit dem Shadow zur Verfügung stehen.

Preis / Leistung
Durch die Freundschaftsaktion bzw. Gutschein kamen auf jeweils 15 Euro für den 1. Monat. Dafür gibt es den Shadow mit 250 GB (davon ca. 20+ für Windows). Zum Testen ideal, hat sich schon am ersten Tag mehr gelohnt als ein Kinobesuch.
Auf Dauer hin sehen die Preise aber so aus:
44,95 Euro pro Monat bei monatlicher Abrechnung
34,95 Euro pro Monat bei 3-Monatszyklus
29,95 Euro pro Monat bei 12-Monatszyklus
Die Gestaltung erinnert mich irgendwie an mein letztes Fitnessstudio. Aber aufs Jahr gerechnet liegen wir bei 359,40 Euro !
Vergleicht man das mit einem regulären Gaming-PC (bei uns war die Haltbarkeit allerdings 5 Jahre, Grafik niemals auf High), ist das teuer. Zumal noch Tastatur + Maus + Monitor dazukommen. Immer auf dem MacBook und seinen 13 Zoll zu spielen ist wie ein Kinoerlebnis.. auf der Couch. Ohne Popcorn.
Sieht man andererseits die Vorzüge: Ich spiele mal hier, spiele mal da, verzichte auf mein – immerhin über 10 Jahre durchweg neu gekauftes – Gaming-Notebook. Ok, wer es wirklich so nutzen kann wie vorgesehen, d.h. stabiles 5 Ghz WLAN mit stabilen > 25-50 Mbit, profitiert davon. Die Experimente mit Android-Apps für Handy oder Fernseher konnte ich nicht probieren. Aber wer am Fernseher spielen will, der kann sich Windows gleich sparen und eine Playstation anschaffen.

  • Pro: Alle AAA-Titel liefen auf Ultra-High flüssig, die “Shadows” sind wirklich für Spiele optimiert
  • Contra: Die Netzwerkverbindung wird zum “Bottleneck”: Die schönste Grafik bedarf einer stabilen 100 Mbit Leitung, die nicht jeder hat.
  • Pro: Nutzbar auf Windows/Mac/Android/Apple
  • Contra: Die Konfiguration (gerade für Controller) ist kompliziert, vieles befindet sich noch in der Beta. Auf Reddit gibt es hierüber Threads zum Nachlesen.

Für jeden bedarf es einer eigenen Abwägung. Die 250 GB reichen zum Spielen, also für 3 Titel gleichzeitig ohnehin. An den Leistungen habe ich nichts auszusetzen, AAA Games bei “voller” FPS waren wir beide nicht gewohnt. Und mit einem “kühlen” MacBook auf der Couch das neue Assassin’s Creed zu spielen ist ein Traum!

Die Konfiguration – ein paar Tipps

Der Client bietet allerhand Möglichkeiten, den Stream ideal auf die Verbindung einzustellen. Leider hat nicht jeder Haushalt ein 5 Ghz WLAN jenseits der 200 MBit. Für das 2,4 Ghz WLAN hingegen erscheint jedes Mal eine Warnung – zu alt, zu langsam. Hier bietet der x265 Codec eine Abhilfe. Unterschiede habe ich nicht gemerkt, die Betonung lag auf Stabilität. Bei einem “miesen” Telekom-Router auf 2,4 Ghz mit 20 MHz Frequenzbandbreite durch ein bis zwei Decken (kurz: das ist langsam) konnte ich noch spielen. Hut ab!

Ein kurzer Vergleich mit der Konkurrenz: NVIDIA Geforce NOW
Mac-Benutzer bekommen zu der bereits seit Jahren laufenden Beta kostenlosen Zugang. Zuhause konnte ich mal PUBG flüssig spielen, dann bei Destiny 2 ein Jahr später gab es ein sehr(!) störendes Ruckeln alle 100 Sekunden – die Mikrowelle des Nachbarn? Wohl kaum, WLAN geändert, Professional-Router auf 5 Ghz mit 1300 Mbit verbunden, Kabel via Adapter – Nix! Und das bei 200 MBit DL/12 MBit Upload, die auch stabil Leistung produzieren. Dem Stream war einfach nicht zu helfen.
Gut, kostenlos ist es, dafür aber Mist. Eine Konzeptidee, der es seit Jahren an guter Umsetzung mangelt.

Update 05.02.2019:
Die zwei Abos sind mittlerweile gekündigt, der Test ist vorbei. Ein paar Stichpunkte sind mir noch eingefallen:
Auch wenn Shadow sehr ausgereift wird, befindet sich das System noch im Ausbau. Ein PC-Ersatz ist in Arbeit, die iOS App just von der internen Beta in die Veröffentlichung gelangt. Während das Streaming auf meinen eigenen WLAN Netzwerken sauber lief, kam es als “Gast” bei Freunden doch zu Problemen. Bis der WLAN Standard nicht grundlegend überdacht ist, scheitert die Genialität der Software an der schlicht mangelhaften Fortentwicklung des gängigen WLAN Standards. Ich hoffe, ein großer Hardwareentwickler steigt in dieses System ein und überarbeitet das System, auch hinsichtlich Kosten und (geplanter) Hardware. Die Idee ist super, die technischen Anforderungen allerdings für unsere heutige Infrastruktur des “Durchschnittskunden” zu komplex.

Update 21.03.2019:
Gerade hat Google sein neues “Stadia” vorgestellt, das wie auch Shadow ein Gaming-Erlebnis über Streams erlaubt. Der fundamentale Unterschied liegt jedoch darin, dass die Spiele mit einem einzigen Klick starten und kein separates Betriebssystem (Windows 10) eingerichtet werden muss. Ich hoffe, Entwickler passen sich dem an und die Technologie etabliert sich. Shadow wird dadurch vielleicht schneller zu einem Relikt als man dachte. Ob das stimmt, wird sich jedoch erst noch zeigen müssen – ich bleibe gespannt!

Weiterer Testbericht mit Einstellungstipps: https://www.boredgamer.co.uk/2018/05/10/setting-up-shadow/